Buch - Harley-Davidson faltenlos

Die digitale Bildbearbeitung bietet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. „Rendering“ nennt die Fachwelt eine auf Foto-Rohdaten basierende Bildsynthese. Der Industriedesigner Marco De Fabianis Manferto machte sich diese Möglichkeiten zunutze und zeigt in dem vorliegenden Band 40 Modelle aus der HD-Historie. Die Bildvorlagen sind akribisch aufbereitet und zeigen durchgängig gestochen scharf jedes Detail. Die Seiten sind doppelt ausklappbar, sodass deren Format auf etwa 80 Zentimeter in der Breite wächst. Dies bietet die Möglichkeit, jedes Modell in einer Seitenansicht sehr großformatig zu präsentieren.

Hochwertiges Papier trägt zusätzlich zur Brillanz der Bilder bei. Überdies kann man gewiss sein, dass die Seiten auch nach mehrmaligem Aufklappen nicht ramponiert sind. Denn eines steht fest: Harley-Fans werden diesen Bildband öfter zur Hand nehmen, um sich an den Abbildungen zu erfeuen.

Eine Frage bleibt allerdings offen: Woher stammen die Bildvorlagen für die Renderings? Die Antwort könnte lauten: von Randy Leffingwell. Der US-Fotograf hat sich nämlich vor einiger Zeit die Mühe gemacht, sämtliche Exponate der Werkssammlung aufwändig zu fotografieren. Harley-Davidson hat bekanntlich von jedem Modell ein fabrikneues Exemplar für diese Sammlung reserviert. Leffingwell beschreibt in dem Buch „Die Harley-Davidson Motor Co. Archiv-Kollektion“, das er gemeinsam mit dem Journalisten Darwin Holmstrom verfasste, sehr detailliert seine Arbeit. Diese währte immerhin drei Monate, in einem eigens installierten Studio entstanden während dieser Zeit mehr als 15.000 (!) Bilder. Jedenfalls dürfte es sich bei den Renderings um eben jene Motorräder aus der Sammlung handeln. Der fotografisch interessierte Leser hätte sich gewünscht, von De Fabianis Manferto ebenfalls Auskünfte über seine Arbeit zu bekommen, insbesondere zumindest einen Hinweis zur Herkunft der Bilddateien.

Die Textinformationen zu den Modellen liefert Pascal Szymezak, kompetenter Buchautor, ehemaliger Chefredakteur des Custom-Magazins „Hog Bike“ und bekennender HD-Fan. Die Beschreibungen sind sachkundig, wenngleich knapp und nichts Neues zum Thema bietend. Dies gilt auch für den separat aufklappbaren 38seitigen Historienteil im vorderen Buchdeckel.
Nach den nurmehr antiquarisch erhältlichen Standardwerken von Zierl/Rebholz (Harley-Davidson – Geschichte und Mythos, Könemann-Verlag) und Holmstrom (Das Harley-Davidson Jahrhundert, Delius Klasing Verlag) sowie den Büchern von Girdler und Eschenbacher dürfte das meiste zur Geschichte der Marke gesagt sein. Und wer den ebenfalls bei DK angebotenen Bildband von Leffingwell/Holmstrom besitzt, kann auf dieses ähnlich orientierte Werk eigentlich verzichten. Aber wir sind sicher: Echte Markenliebhaber und Sammler werden dennoch 40 Euro locker machen, um sich auch dieses opulente Bilderbuch in den Schrank zu stellen. Sein Geld wert ist dieser qualitativ ansprechende Band allemal.

AK7/16

Pascal Szymezak – Harley-Davidson, Die lebende Legende; Delius Klasing Verlag 2015, 212 Seiten, 17 Farbfotos, 17 s/w-Fotos, 84 Farb-Abbildungen, 2 s/w-Abbildungen, Format 25 x 30,6 cm, Hardcover, ISBN 978-3-667-10350-5; 39,90 Euro; http://www.delius-klasing.de



In diesem Zusammenhang sei auch auf die anderen HD-Titel des Verlages hingewiesen:

Holmstrom/Leffingwell – Die Harley-Davidson Motor Co. Archiv-Kollektion
Pascal Szymezak – Harley-Davidson Sportster
Hunter S. Thompson – Der Harley-Davidson Reader
Darwin Holmstrom – Das Harley-Davidson Jahrhundert (nur antiquarisch)
Wartung und Reparatur – Harley-Davidson TwinCam 88,96& 103