Bücher - Triumph und Wanderer

Obwohl die Marke Triumph nicht zuletzt wegen ihres grandiosen Wiederaufstiegs seit Anfang der 1990er Jahre - und aus Sicht der Gespann- und Trikefahrer auch wegen ihrer dreiradfreundlichen Modelle - viel spannenden Stoff für ein richtig dickes Buch hergibt, sucht man vergeblich nach einem entsprechenden aktuellen Standardwerk. Der im Motorbuch-Verlag erschienene Titel "Triumph-Motorräder aus Hinckley" ist bereits 1997 erschienen und damit völlig überholt.
Da freut es, wenn das Autoren-Trio Carsten Heil, Katharina Klimpke und Dirk Mangartz die englische Traditionsmarke nun mit dem vorliegenden Band würdigt. Allerdings liegt der Schwerpunkt dieser Huber-Buchreihe, in der auch Buell sowie die Harley-Davidson-Modellreihen Sportster und Softail mit eigenständigen Titeln gewürdigt werden, bei Umbau und Tuning. Die Historie samt Modellübersicht umfasst bei diesem Band nur etwa ein Drittel des Umfangs - entsprechend komprimiert fallen die Informationen aus.
Immerhin runden Kapitel zu Technik und Tuning der früheren Twins, zu Tuning Tipps für die aktuellen Zweizylinder und über einen Rundgang durch das Hinckley-Werk das Buch ab. Für knapp 18 Euro geht das Druckwerk völlig in Ordnung, zumal an Fotos in exzellenter Qualität nicht gespart wurde. Doch auch wenn dieser Band das Geschehen um die Marke Triumph aktuell und kompetent beleuchtet, dürfte er den wahren Fan nur bedingt zufrieden stellen. Die Marke Triumph gibt viel mehr her, nicht zuletzt auch im Hinblick auf Gespanne und Trikes. Aber all das lässt sich nicht für kleines Geld zwischen zwei Buchdeckel packen. Ein Fehlkauf ist dieses Triumph-Buch aber keineswegs, und schon gar nicht für Fans von Tuningmotorrädern.

Bezugsquelle:

Carsten Heil/Katharina Klimpke/Dirk Mangartz - Triumph Motorcycles & Custombikes; History, Modelle, Technik, Umbauten; Huber Verlag 2010, 136 Seiten, 218 Farbfotos und -abbildungen, 28 s/w-Fotos, Format 23 x 22,7 cm, Hardcover, ISBN 978-3-9278-9634-5; 17,90 Euro

Während Triumph dank John Bloor vor zwei Jahrzehnten ein beeindruckendes Comeback hinlegte, ist die Marke Wanderer seit 1958 Historie. Endgültig? Wer weiß das schon, nachdem Namen wie Horex oder Norton derzeit wieder belebt werden? Damals jedenfalls gehörte Wanderer zu den führenden Marken und erregte zum Beispiel in den 1920er Jahren mit einem achtventiligen V-Twin oder einem Pressstahlrahmen Aufmerksamkeit. Einem selbsttragenden Seitenwagen wurde zwar 1927 ein Patent erteilt, in Serie ging er allerdings nicht. Doch reiht dieses Buch zur Marke nicht nur die Modelle auf, sondern stellt die Geschicke und Aktivitäten des 1885 in Chemnitz als "Velociped-Depot" gegründeten Unternehmens in Kontext mit der damaligen Zeit. Im Krisenjahr 1929 gab Wanderer die Produktion von Motorrädern nach herben Verlusten an N.S.U. ab. Parallel erwarb die Prager Firma Zbojovka Ing. F. Janecek die Lizenz zum Bau des Kardan-Viertakters K 500, die dafür notwendigen Spezialmaschinen bekam man gleich mitgeliefert. Damit war die bis in die Neuzeit vor allem durch ihre Bahnsporterfolge berühmte Marke "Jawa" (Janecek und Wanderer) aus der Taufe gehoben. In der Folge wollte NSU-Wanderer mit leichten Zweitaktern in Fahrradrahmen am wachsenden Markt teilhaben. Doch es kam zum Zerwürfnis und Wanderer produzierte fortan mit Zweitaktern von Sachs und Ilo in Eigenregie Motorräder. Dazu kamen ab 1932 Seitenwagen - zunächst mit Starr-, dann mit Pendelachse. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelte das Unternehmen nach München-Haar um und produzierte dort Mopeds. Ein Großbrand im Werk könnte mit dazu beigetragen haben, dass Wanderer die Zweiradkrise nicht überstand und 1958 schloss.
Über all diese Geschehnisse berichtet der vorliegende Band ausführlich und mit Quellen belegt. Garniert wird er durch teilweise zuvor unveröffentlichtes Bildmaterial, eine ausführliche Modellübersicht mit den wichtigsten Technikangaben sowie eine Auflistung der Rahmen- und Motornummern. Man muss keineswegs Wanderer-Liebhaber sein, um an diesem informativen Band Gefallen zu finden.

Bezugsquelle:

Axel Klug/Tino Räppel - Wanderer, Motorräder Motorfahrräder Mopeds; Delius Klasing Verlag 2007, 240 Seiten, 7 Farbfotos, 170 s/w-Fotos, 205 farbige Abbildungen, Format 22 x 24,5 cm, Hardcover, ISBN 978-3-7688-1982-4; D 24,90 Euro, A 25,60 Euro, CH 38,90 sFr

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