EICMA 2017 - Viele Schwerter

Neue Gespanne oder Trikes erwartete auf der noch an diesem Wochenende geöffneten Eicma in Mailand/I wohl niemand. Aber immerhin gab es mit dem MXT 850 Niken von Yamaha ein Aufsehen erregendes Dreirad. Ohnehin ist die Marke bereits mit dem Scooter Tricity in diesem Segment aktiv. Und bereits 2015 stellte Yamaha auf der Tokyo Motor Show mit dem MWT-9 ein dreirädriges Konzept-Motorrad vor. Anders als manch sonstiger Prototyp verschwand das Dreirad mit zwei Vorderrädern nicht wieder in der Versenkung, sondern wird jetzt mit dem etwas anders abgestimmten, 115 PS starken Reihendreizylinder der MT-09 zum nächsten Herbst in Serie gehen.
Zunächst bemerkenswert: das MXT wiegt vollgetankt nur 263 Kilo – verglichen mit mancher einspurigen Eicma-Neuheit ein echtes Leichtgewicht.

Vor allem wenn man bedenkt, dass der Vorderbau mit zwei Upside-Down-Gabeln, zwei Rädern mit der Bereifung 120/70 R 15 und zwei 298er Scheibenbremsen zusätzliche Kilos auf die Waage bringt. „Leaning Multy Wheel Technology“ (LMW) nennt Yamaha das Prinzip und ordnet das Lenksystem mit Einzelradaufhängung explizit der Ackermann-Lenkung zu. Bis zu 45 Grad Schräglage sollen mit dem Schwenkmechanismus möglich sein. Die Spurweite beträgt schlanke 410 mm. Zur besseren Gewichtsverteilung baut die Hinterradschwinge 15 mm länger als bei der MT-09, der Fahrer sitzt etwa 50 mm weiter hinten. Über den Preis lässt sich Yamaha noch nicht aus. Ach ja: „Niken“ heißt das einmalige Motorrad mit Beinamen – ein japanischer Begriff.

„Er stammt aus dem 17. Jahrhundert, als sich im Schwertkampf die Kunst des Einsatzes von zwei Schwertern entwickelte. Es erwies sich als eine Revolution und läutete den Beginn einer neuen Ära im Kampf ein“, so die Pressemitteilung. Also eine neue Waffe im Straßenkrieg, oder?

Mit scharfen Klingen im Kampf um Marktanteile werden aber auch andere Anbieter fechten. Für eine faustdicke Überraschung sorgte die aufstrebende Marke Royal Enfield: Der erst später erwartete Twin kommt nun bereits im Frühjahr – und das gleich in zwei Versionen: der Interceptor INT 650 und der Continental GT 650. Der luft-/ölgekühlte Ohc-Vierventiler mit 270 Grad Hubzapfenversatz und Ausgleichswelle leistet mit Kraftstoff-Einspritzung 47 PS bei 7100/min und hat sein Drehmoment-Maximum von 52 Nm bei 4000/min. Die Kraftübertragung übernehmen ein Sechsganggetriebe und eine Kette. Rohrrahmen, Drahtspeichenräder in 18 Zoll und zwei Federbeine im Heck unterstreichen die klassische Anmutung. Technisch eng verwandt präsentiert sich die Conti GT im Stil der kleineren Schwester. Beide 650er werden in der Gespannszene mutmaßlich gut ankommen.
Mit vier Zylindern und deutlich mehr Leistung wartet ein anderes Paar dieser Art auf: die Kawasaki Z 900 RS im Stil von Z1 und Zephyr sowie ihre leicht verschalte Schwester RS Café. 111 PS bei 8500/min gibt das Werk an. Auch der Stahlrohr-Brückenrahmen und die filigranen Gussräder dürften einen höheren Umbau-Aufwand als bei den indischen Twins erfordern.

Weitere Neuheiten auf der jährlich stattfindenden Leitmesse:

BMW: F 750/850 GS mit neuem Motor, K 1600 America
Ducati: Scrambler 1100/Sport, Multistrada 1260, Panigale V4/S, Panigale 959 Corse
Honda: GL 1800 Gold Wing mit 126 PS, Africa Twin Adventure Sports, CB 1000 R
Husqvarna: Svartpilen/Vitpilen 401/701
Kawasaki: Ninja H2 SX, Ninja ZX-10R SE
KTM: 790 Duke
Suzuki: SV 650 X
Triumph: Tiger 800 XCA/XRT, Tiger 1200 XR

AK45/17

Info: eicma.it, motorrad.net