Euro-Gespann-Treffen 2017 - Familientreffen

Bestes Sommerwetter lockte am letzten Wochenende zahlreiche Gespannfans zum 29. EGT nach Weiswampach im Norden von Luxemburg. Etwas verhalten war diesmal die Teilnahme am Eigenbau-Wettbewerb. Dennoch gab es einige feine Stücke zu bestaunen. Am meisten beeindruckte die Jury die piekfeine Suzuki RE 5 des Niederländers Peel Assmann in der Klasse „Komplettgespanne“. Liebhaber der japanischen Kreiskolben-Ikone mögen schon beim Gedanken an einen Gespannumbau die Krise bekommen. Doch der appetitliche Umbau von Assmann mit einem Velorex 562 dürfte selbst Puristen gnädig stimmen. Sehr beeindruckt hat uns auch die Honda GL 1200, die Karl-Heinz Röber lediglich mit dem rechten Arm dirigiert, da er den linken handicapbedingt nicht mehr einsetzen kann. Und der Hannoveraner macht mit seiner Gold Wing richtig Kilometer!
Deutlich weniger Asphalt dürfte der Fahrrad-Schwenker von Jürgen Detering unter die Räder nehmen. Doch allein schon die saubere Ausführung des kleinen Aluminium-Bootes ist bemerkenswert. Gleiches gilt auch für den um acht Zentimeter verbreiterten Steib-Nachbau von Aloyse Nenning aus Frankreich.

Ein historisches Schätzchen hatte überdies Steven Lancaster mit dem Martello-Kabinenboot aus England mitgebracht. Webmaster Peter Lohré, Engländer-Fan und ehemaliger Watsonian/Squire-Importeur, war mit der Historie des raren Seitenwagens aus den 1980er Jahren bestens vertraut. So ergaben sich ein längeres Fachgespräch sowie der Plan für eine ausführliche Vorstellung demnächst in MOTORRAD GESPANNE. Auch die weiteren interessanten Kandidaten des Eigenbau-Wettbewerbs werden dort gezeigt.
Auf der Händlermeile gab es wie immer manches zu sehen. So präsentierte KS (Karl Schmid) ein Gespann auf Basis der Yamaha XJ6 Diversion. Mittelklasse-Motorräder wie dieser Vierzylinder werden von der Gespannszene trotz ihres attraktiven Preis-Leistungsverhältnisses bislang gerne links liegen gelassen. Bleibt zu hoffen, dass der Vorstoß von Schmid diese Kategorie trotz des für den gängigen Geschmack gewöhnungsbedürftigen Seitenwagens neu belebt.

Bei Ott/Lefèvre gab es neben anderen Exponaten die Moto Morini Corsaro 1200 mit einigen interessanten technischen Lösungen zu sehen, die als „Titelheldin“ der gerade erschienenen Ausgabe 161 von MOTORRAD GESPANNE auftritt. Auch LBS präsentierte mit der rassigen KTM RC8 ein für MG-Leser bekanntes Gespann. Bei Mobec standen neben der noch einen Käufer suchenden BMW R nineT Scrambler und einer Yamaha FJR 1300 mit Triton GT die gerade fertiggestellte Triumph T 120 Bonneville. Jacken lenkte die Aufmerksamkeit der Händlermeile-Besucher mit einem Ural-Dreier der Euro-4-Generation und einer BMW R 1100 S auf sich, die mit dem T-Rod von Mueller veredelt war.
Mit glänzenden Augen kamen manche Gespannfreunde zum Stand von Ef-tech zurück, die von dort mit dem Mash Family Side zu einer Proberunde gestartet waren. Ob solche Euphorie auch nach vielen Kilometern Bestand haben kann? MOTORRAD NEWS 10/2017 und noch ausführlicher MOTORRAD GESPANNE 161 werden der Sache auf den Grund gehen.

Die letzten Jialing-Dreier bietet Motorwerk für Schnellentschlossene an

Weniger optimistische Nachrichten gibt es vom Jialing JH 600 B. Ehepaar Sanders vom Importeur Motorwerk musste zahlreichen Interessenten darlegen, warum nur noch einige Exemplare verfügbar sind. Der chinesische Hersteller sieht bei etwa zwölf jährlich in D, NL, A und CH abgesetzten Gespannen pro Jahr keinen Sinn im Erwirken einer Euro-4-Betriebserlaubnis. Daheim verkauft man an die Armee und Behörden etwa 20.000 Einheiten pro Jahr. Einzelabnahme als Ausweg? Keine Chance! „Die Handelsverträge schreiben vor, dass China beim Export in die EU nur hier zugelassene Ware exportieren darf. Jede LED-Lampe, jeder Bleistift, den wir aus China kaufen, muss das zwingend erforderliche CE-Prüfzeichen aufweisen. Für das Jialing JH 600B-A ist die Typenzulassung zum 1.1.2017 erloschen. Folglich darf und kann Jialing keine neue Maschinen mehr in die EU exportieren“, stellt Bart Sanders klar. Vorsorglich haben Motorwerk und der Schweizer Distributor AMR in Rapperswil/Bern 2016 noch ein Kontingent gemäß der damaligen L4e-Klassifizierung zugelassen. Diese Gespanne stehen den Märkten in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz nun noch als Neufahrzeuge zur Verfügung.
Und es gab noch mehr auf der Händlermeile zu sehen und zu finden, so bei Motek, Ef-Tech oder Berglar. Pfiffige, weil extrem leichte und platzsparende Produkte zeigte Ace Camp. Dazu gehören alle möglichen Outdoor-Accessoires bis hin zu faltbaren Trinkflaschen. „Die Gespannfahrer hier sind anscheinend nicht unsere Kundschaft. Die haben mit ihren Beiwagen genug Stauraum“, bemerkte der Aussteller leicht frustriert. Aber spätestens wenn es mit dem Mash Family Side auf Tour gehen soll, dürften seine Aktien in der Dreirad-Fraktion steigen. Denn gerade bei den kleinen Gespannen zählt auch jedes Gramm und jeder Kubikzentimeter.

Das EGT 201 findet im hessischen Hatzfeld statt.

AK36/17