Motocross - Bax/Musset setzen sich ab

Ist die Luft nun raus? Beim Grand Prix der Schweiz in Roggenburg verschaffte ein Motorschaden bei Valentin Giraud/Elvijs Mucenieks den Tabellenführern Etienne Bax/Nicolas Musset für das nächste Rennen in Rudersberg.
Vielleicht war dies sogar schon die Entscheidung. Nachdem Giraud/Mucenieks den ersten Lauf auf der schnellen Strecke von Roggenburg klar für sich verbuchen konnten, fielen sie beim zweiten Durchgang mit streikendem Motor aus. Die entgangenen Punkte wiegen schwer. Sofern Bax in den vier verbleibenden Rennläufen von Technik- und Sturzpech verschont bleibt, ist der Rückstand selbst mit vier Laufsiegen nicht mehr aufzuholen. Ob Giraud eine solche Serie gelingt, scheint dabei ohnehin fraglich. Denn nach dem am zweiten September-Wochenende anstehenden GP im schwäbischen Rudersberg geht es zum Finale in den Sand von Markelo/NL – der Domäne von Bax.

Und die Nerven werden auch eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Während Bax schon seinen ersten WM-Titel in der Tasche hat, fährt Giraud diesem bislang hinterher. Zwar schien auch der Niederländer zuletzt nicht frei von mentalen Schwankungen. Jedoch dürfte es ihm in Roggenburg Auftrieb gegeben haben, dass er seinen in den letzten Grands Prix stark auftrumpfenden Rivalen vor dessen Ausfall überholen konnte. So oder so – spannend bleibt diese WM allemal. Dabei spielen auch Daniël Willemsen/Robbie Bax weiterhin eine wichtige Rolle, die sich noch Hoffnungen auf den Vizetitel machen.
Beim ersten Start bekam Marvin Vanluchene wahrscheinlich von hinten einen Stoß. Das Gespann des Belgiers, der Patrick Schneider als Ersatz für den von vermutlich krankheitsbedingten Konditionsproblemen geplagten Haralds Kurpnieks gewinnen konnte, stellte sich auf – siehe unsere Bilderserie.

Etienne Bax und Motorenhersteller Friedhelm Zabel

Der Österreicher bekam im Getümmel nichts ab, Vanluchene blieb zunächst benommen liegen. Doch außer einigen Prellungen blieb auch er unversehrt und konnte zum zweiten Start wieder antreten. Durch den Sturz wurden unter anderem Bax und Willemsen behindert, während Giraud bald die Führung übernehmen konnte. Die beiden Niederländer konnten über die Distanz Boden gutmachen, für Willemsen waren lediglich seine Landsleute Koen Hermans/Kenny van Gaalen uneinholbar.
Ein starkes Rennen fuhren Stuart Brown/Joe Millard. In der Qualifikation hatte ein aufgewirbelter Stein den Kühlerdeckel ihres Gespannes abgeschlagen. Als Sieger des Last-Chance-Race mussten die Briten aus der zweiten Reihe starten. Dieses Schicksal widerfuhr ebenfalls den Brüdern Riku und Lari Kunnas. Die finnischen Senkrechtstarter mussten in der Qualifikation bereits nach einer Runde mit defekter Kraftstoffpumpe aufgeben. Hinter Brown schafften sie mühelos den Last-Chance-Platz zwei. Überschattet wurde das Rennen von einem schweren Sturz der Barat-Söhne Arthur und Hugo. Der Beifahrer, gerade einmal 16 Jahre alt, bestritt seinen ersten Grand Prix. Bei dem Überschlag zog er sich nach ersten Informationen einen dreifachen Oberarmbruch zu und musste mit dem Helikopter abtransportiert werden. Das Rennen wurde nach zehn Runden abgebrochen und gewertet.
Im zweiten Lauf übernahm zunächst Willemsen die Führung. Bax war wieder nicht optimal gestartet, kämpfte sich dann aber an den starken Cermak-Brüdern sowie Hermans, Willemsen und Giraud vorbei. Drei Runden vor Schluss fielen die französisch-lettischen Mitfavoriten dann aus. Eine starke Schau boten Andreas Bürgler/Martin Betschart dem heimischen Publikum. Zunächst auf dem dritten Platz fahrend, konnten sie sogar kurzfristig Giraud das Hinterrad zeigen. Der dürfte nicht schlecht gestaunt haben, konterte aber sofort, auch Hermans und die Cermaks waren dann nicht zu halten. Weitere erfreuliche Leistungen zeigten die Brüder Christophe und Maxime Cuche sowie die Nachwuchsfahrer Fabian Hofmann/Cornelio Dörig. Denen reichte es im ersten Lauf immerhin zu einem WM-Punkt. Aus dem Schweizer Lager trug überdies Simon Wälti im Boot des Italieners Hotmar Pozzi zu achtbaren Platzierungen bei. Adrian und Pascal Leutenegger verpassten die Qualifikation. Marco Heinzer trat hier gar nicht erst an, weil sich Beifahrer Ruedi Betschart im Training einmal mehr sein Schultergelenk ausgekugelt hatte. Vanluchene hatte sich einigermaßen berappelt und holte mit Schneider immerhin noch fünf WM-Punkte. Ob der Vorarlbergen in Rudersberg wieder im Boot des Belgiers steht, ist noch offen. „Wir bleiben in Verbindung“, so Schneider.
Von den deutschen Fahrern kamen lediglich Silvio Senz mit Ersatzmann Han van Hal ins Rennen. Im ersten Lauf fuhren sie am Ende mit halber Kraft, da Senz Probleme mit dem linken Oberarm hatte. Da machte es wenig, dass er ebenso wie Jan und Jeroen Visscher wegen Missachtung der „Medical Flag“ - nach dem Sturz der Barat-Brüder lief das Rennen noch sechs Runden weiter – disqualifiziert wurde. Beim zweiten Einsatz lief es besser: ein WM-Punkt. Joachim und Philipp Reimann durften im zweiten Durchgang als erste Reservefahrer mitmischen: Platz 25. Adrian Peter/Patrick Leskow, Marcus Prokesch/Patrich Schmidt schafften die Quali-Hürde nicht, Marcel Faustmann und Sebastian Engelbrecht waren dem Rennen wider Erwarten ferngeblieben.
Bleibt noch die überraschende Trennung von Andreas Clohse und Andres Haller zu erwähnen. Trotz gemeinsam errungenem DM-Titel kriselte es jedoch wohl schon länger im Team. Laut Clohse gab es unterschiedliche Ansichten zu den „Arbeitsabläufen“ im Beiwagen, mehrfache Gespräche führten nicht zu einem Konsens. Im freien Training des Roggenburg-GP stürzte das Duo an einem Sprung. Zwar kam niemand zu Schaden, doch Clohse zog daraufhin sofort die Reißleine: “Meine Gesundheit ist mir wichtiger!“ Dennoch will der in Deutschland lebende Belgier im nächsten Jahr weitermachen.

AK36/17



Resultate Motocross-Gespann-WM Roggenburg/CH

1. Lauf:
1. Giraud/Mucenieks (F/LV), WHT-Husqvarna. 2. E.Bax/Musset (NL/F), WSP-Zabel. 3. Hermans/Van Gaalen (NL), VMC-Zabel. 4. D.Willemsen/R.Bax (NL), WSP-Zabel. 5. Cermak/Cermak (CZ), WSP-Mega. 6. Wilkinson/D. Chamberlain (GB), WSP-Zabel. 7. Bürgler/M.Betschart (CH), VMC-KTM. 8. Brown/J. Millard (GB), WSP-Zabel. 9. Veldman/van den Bogaart (NL), WHT-Husqvarna. 10. J.Daiders/Stupelis (LV), VMC-Zabel. 11. Thomas/Thomas (F), WHT-Zabel. 12. Sanders/Soenens (B), WSP-Zabel. 13. Cuche/Cuche (CH), VMC-KTM. 14. Pozzi/Wälti (I/CH), WSP-Husqvarna. 15. Gert van Werven/S. van der Putten (NL), WSP-TM. 16. Cerny/Viton (CZ), WSP-Jawa. 17. Kunnas/Kunnas (FIN), WSP-KTM. 18. Kinge/R. Humphrey (GB), VMC-Zabel. 19. J.Keuben/Rietmann (NL), VMC-Zabel. 20. Hofmann/Dörig (CH), WSP-Zabel.

2. Lauf: 1. E.Bax. 2. D.Willemsen. 3. Hermans. 4. Cermak. 5. Bürgler. 6. Wilkinson. 7. Brown. 8. Veldman. 9. J.Daiders. 10. Sanders. 11. Cuche. 12. Gert van Werven. 13. Dierckens/Rostingt (B/F), WSP-Zabel. 14. Kunnas. 15. Pozzi. 16. Vanluchene/Schneider (B/A), VMC-Zabel. 17. Kinge. 18. J.Keuben. 19. N. Janssens/G. Janssens (B), VMC-Zabel. 20. Senz/Van Hal (D/NL), VMC-Zabel.

WM-Stand nach 14 von 18 Läufen: 1. E.Bax 495. 2. Giraud 465. 3. D.Willemsen 442. 4. Hermans 338. 5. Brown 335. 6. Cermak 329. 7. J.Daiders 318. 8. Vanluchene 282. 9. Wilkinson 257. 10. Veldman 242. 15. Clohse 116. 16. Cuche 114. 17. Bürgler 113. 23. Heinzer 44. 25. Senz 26. 29. Weiss 18. 34. T.Blank 13. 45. Battaglia 6. 49. Faustmann 3. 54 Hofmann u, Engelbrecht je 1.