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EML-BMW GS - Kettenkrad

 

 

EML-BMW R100 GS

Auch wenn die Kardanwelle ein noch so probater Hinterradantrieb ist - für Geländegespanne mit Wettbewerbsambitionen taugen Ketten einfach besser. Aus diesem Grund rüsteten in den 1970er und 1980 Jahren Spezialisten wie Günther Steenbock die damaligen BMW Boxer entsprechend um. Gespannbauer EML (heute W-Tec) baute damals ebenfalls fünf BMW-Gespanne mit Kettenantrieb. Eines dieser Gespanne, in dessen Papieren die damalige Firma Hartmann als Hersteller eingetragen ist, befindet sich heute im Besitz des Berliners Michael Schulz-Vollmers. Da der Zweiradmechanikermeister und Mitinhaber von "Urban Motor" mit seinem raren Dreirad eher Fernreisen als Offroadrennen im Visier hatte, ließ er diesem über die Jahre so manche weitere Verfeinerung angedeihen.

EML-BMW R100 GS

 

Um die Abtriebskraft von der längs eingebauten Kurbelwelle auf das Kettenritzel zu übertragen, bediente sich EML ebenso wie andere Tüftler eines ebenso simplen, wie genialen Tricks: Der Hinterradantrieb wurde einfach auf die Schwingenachse verpflanzt, womit ganz nebenbei das Ritzel exakt im Schwingendrehpunkt liegt.
Weiterhin stellte der Besitzer das Gespann auf Drahtspeichenräder mit der Bereifung 4.00 x 18 vorne und 155 x 15 hinten. Die Beiwagen-Stahlfelge vom VW-Käfer ist mit 135 x 15 besohlt. Mit den ebenfalls in die Fahrzeugpapiere eingetragenen Motocross-Reifen in 21 Zoll vorne, 17 Zoll hinten und 16 Zoll am Seitenrad sowie einem längeren Dämpfer im Heck kann das Fahrwerk für härtere Offroad-Einsätze wieder höher gelegt werden. Die Federung übernehmen motorradseitig voll verstellbare Öhlins-Dämpferelemente und an der Beiwagen-Zugschwinge ein solches von White Power. Während das Vorderrad eine originale EML-Schwingengabel mit parallel abgestützten Bremszangen und einfacher Nachlaufverstellung führt, hat Schulz-Vollmers die Hinterradschwinge auf Cantilever umgerüstet. Dabei sind die Dreieck-Ausleger lediglich mit der Schwinge verschraubt, sodass eine Rückrüstung der Hinterradfederung in den Originalzustand mit zwei Federbeinen möglich ist. Wahlweise kann das Gespann mit dem hier gezeigten Enduro-Boot oder mit einer auf das vernickelte Chassis aufgeschraubten, speziell umgearbeiteten Ural-Gondel gefahren werden.
Der auf 75 PS getunte Boxer bekam eine digital gesteuerte Doppelzündung sowie eine eigentlich für Moto Guzzi gebaute Saprisa-Lichtmaschine spendiert. Auch die Auspuffkrümmer stammen von Moto Guzzi, der Endtopf von Lazer. Den Sammler baute Schulz-Vollmers in Eigenregie. Die Kettenschmierung erfolgt über die Kurbelgehäuseentlüftung. Eine Starterbatterie mit 45 Ah liefert auch unter widrigen Umständen genügend Strom, um den Motor zum Leben zu erwecken. Motogadget steuerte Tacho und Drehzahlmesser bei. Weitere Details zum Gespann verrät die aktuelle Ausgabe von MOTORRAD GESPANNE Nr. 120.

 

 

AK 45/10