Grinnall - Rocket sportlich
|
Manch einer unserer Leser mag sich an den Scorpion erinnern, mit dem die britische Manufaktur Grinnall in den 1990er Jahren auch hierzulande von sich reden machte. Doch die Bemühungen von Wüdo oder Falk Hartmann, den auf der Antriebstechnik der BMW-K-Vierzylinder basierenden Threewheeler (s. Katalog Threewheeler) in Deutschland zu etablieren, scheiterten. Seit einigen Jahren baut Grinnall auch Conversion-Trikes - zunächst auf Basis der BMW-Boxer R 1150 R und R 1200 C/CL, dann zudem mit der Triumph Rocket III in der leistungsstärksten 140 PS-Ausführung. Als nächstes Modell ist die Thunderbird bereits "in der Pipeline".
Für den Vertrieb in Deutschland hat sich nun "3cycles" (F. Braun & K.J. Berghaus GbR) stark gemacht. Das Wuppertaler Unternehmen bietet als offizieller Grinnall-Importeur aktuell bereits das R3T auf Basis der Rocket an. Wer den dreirädrigen Dreizylinder nicht gleich kaufen mag, kann es immerhin mieten. Gespann News genoss allerdings das Privileg, das derzeit leistungsstärkste Conversion-Trike auf dem deutschen Markt als erstes Fachmedium zu fahren.
| Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen. |
Vom kürzlich vorgestellten Rewaco CT 2300 T unterscheidet sich das R3T zunächst in der Hinterachs-Konstruktion: Grinnall bevorzugt eine Doppelquerlenkeraufhängung. Diese ermöglicht das Einfedern beider Räder völlig unabhängig voneinander, selbst ein Querstabilisator ist nicht vorgesehen. Durch gefräste Gabelbrücken für die 43er USD-Gabel wird der Nachlauf auf etwa 70 mm reduziert, den genauen Wert will 3cycles noch in England abfragen. Mit einer pedalbedienten Verbundbremse, in welche die vordere linke Scheibenanlage integriert ist, entspricht das Trike den Zulassungsvorschriften. Separat wird die rechte Zange per Handhebel bedient.
Mit ihren 140 PS tritt die kräftigste Version des Rocket-Triples noch vehementer an als die ohnehin schon dynamische Touring-Variante (Rewaco CT 2300 T) mit 34 PS weniger Leistung. Die Frage, ob man einen derartigen Überfluss an Kraft für ein Trike braucht, ist dabei genauso überflüssig wie beim Gespann oder beim Solomotorrad. Im übrigen brauchen 425 Kilo Kampfgewicht plus Besatzung genügend muntere Pferdchen, um zügig bewegt werden. 180 km/h schafft das R3T ohne langen Anlauf, da weiß man das Windschild zu schätzen. Den Verbrauch konnten wir nicht ermitteln. Doch lassen 10,7 l/100 km im Gespannbetrieb mit großem Beiwagen den Schluss zu, dass das schlankere Trike etwa zehn Liter im zügigen Mischbetrieb konsumieren wird.
Unsere derzeit mit Schlaglöchern übersäten Straßen boten die beste Gelegenheit, Straßenlage und Federungskomfort unter verschärften Bedingungen zu testen. Dabei fällt auf, dass die Hinterachse sich von holprigem Asphalt wenig beeindrucken lässt, wodurch Störimpulse von der Lenkung ferngehalten werden. Mit 1,95 m Radstand ist sauberer Geradeauslauf solcherart gewährleistet, die Spurweite von 1,30 m bietet in Verbindung mit den 225/45 x 17er Hinterreifen hohe Kippsicherheit in Kurven. Optional sind 18-Zoll-Räder mit 275/35er Reifen erhältlich. Die Lenkung bietet ganz bewusst soviel Widerstand, dass man sie bei Ausweichmanövern nicht verreißen kann. Damit büsst sie zwar mögliche Agilität ein, schafft aber für den weniger versierten Mototriker ein Plus an Sicherheit. Mit dieser Lenkungsabstimmung orientiert sich Grinnall im übrigen am bewährten Branchenstandard. Für Könner wünschen wir uns dennoch - nicht nur von Grinnall - eine Version mit etwas weniger Nachlauf und damit leichterer Lenkbarkeit.
Bei guter Dosierung verzögern die Stopper so effektiv, dass man auf die Handbremse im normalen Fahrbetrieb verzichten kann. Nutzt man das Potential der Bremsen, neigt die komfortabel abgestimmte Gabel dezent, aber nicht wirklich störend zum Eintauchen.
Insgesamt macht das R3T einen qualitativ hochwertigen Eindruck. Was nicht verwundert, denn Grinnall ist keine Hinterhofschmiede, sondern ein handwerklich professionelles Unternehmen. Sonst würde BMW den Briten gewiss keine Antriebskomponenten für seine Scorpion-Dreier liefern. Über elegant integrierte Unterbringungsmöglichkeiten für Gepäck müsste sich Grinnall allerdings noch ernsthafte Gedanken machen, will man deutsche Kunden gewinnen. Die Einzelradaufhängung und die gefällig gestylte Heckkarosserie ermöglichen lediglich ein bescheidenes Fach für Regenkombi etc., doch schon ein Jethelm passt dort nicht hinein. Das an unserem Testexemplar montierte Topcase stört die harmonische Linie leider nachhaltig. Als Zusatzausstattung gibt es für das R3T eine elektrische Rückfahrhilfe, die auch genug Kraft für Reversieren an moderaten Steigungen mobilisiert.
Technische Daten und weitere Informationen finden Sie in unserem Katalogteil. Grinnall
Infos: http://www.3cycles.de , http://www.grinnallcars.com
AK 16/10


